Resilienz: Definition, Diagnose und Training

Definition, Wirkungen und Praxis-Relevanz

Resilienz ist die Fähigkeit, emotionale und mentale Belastungen (Stress) erfolgreich zu überwinden (ohne Stress-Erkrankung). Synonyme sind: Elastizität, Widerstandsfähigkeit, Zähigkeit oder "Stehaufmännchen-Effekt".

Resilienz stärkt die Lebenszufriedenheit und positive Emotionen wie zum Beispiel Begeisterung, Entschlossenheit, Energie und Spaß an der Arbeit.

Gleichzeitig reduziert Resilienz Depressivität und negative Emotionen wie zum Beispiel Gereiztheit, Feindseligkeit, Lustlosigkeit, Gleichgültigkeit, Frustration und körperliche Stress-Symptome (siehe Abbildung 1).

Resilienz hat einen großen Einfluss auf das Betriebsklima und damit die Mitarbeiterzufriedenheit. Diese führt zu mehr Kundenzufriedenheit. Empirische Studien zeigen, dass Unternehmen mit einer überdurchschnittlichen Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit um den Faktor 3 bis 4 rentabler sind als Firmen mit frustrierten, ängstlichen und depressiven Mitarbeitern.

Definition Resilienzfaktoren

Resilienzfaktoren sind beobachtbare und somit messbare Verhaltensbeschreibungen (Items), die zu mehreren Gruppen zusammengefasst werden (mit einer Faktorenanalyse). Beispiele sind Optimismus, Selbstwirksamkeit, praktische Intelligenz oder Charakterstärke. Jeder Mensch hat bei diesen Faktoren ein individuelles Stärken-Schwächen-Profil. Es dient als Grundlage (Diagnose) für die Stärkung der Resilienz. Hier gilt der gleiche Grundsatz wie in der Medizin: Ohne valide Diagnose ist eine seriöse Therapie nicht möglich. Darauf kommen wir im Abschnitt "Resilienz-Test" noch zu sprechen.

Resilienz: Definition und Wirkung Abbildung 1: Was bewirkt Resilienz?

Resilienz-Test (Diagnose): Stärken und Schwächen

Anforderungen an einen seriösen Resilienz-Test (Inventar)

Ein seriöser Resilienz-Test muss Dimensionen (Resilienzfaktoren) enthalten, für die es einen empirischen Nachweis gibt, dass sie die Resilienz tatsächlich messen (erfassen). Mit anderen Worten; er muss valide und reliabel sein. Ansonsten haben die Aussagen die Qualität eines Horoskops: plausibel, aber wertlos. Man nennt dieses Phänomen auch den Barnum-Effekt.

Beispiele für solche Aussagen sind: „Ich stelle mich immer der Realität“ oder „Ich empfinde viele Dinge, die mir widerfahren als ungerecht und ärgere mich darüber“ oder „Gemeinsam geht es besser“. Viktor Lau prägte für solche Konzepte den Begriff „obskure Management-Esoterik“ und Fredmund Malik bezeichnet dies als „konfuse Minestrone“ aus Halbwahrheiten und Aberglaube. Zur Vertiefung empfehlen wir die folgenden Studien und die dort genannte Fachliteratur (Systemisches Coaching, Reiss-Profile oder DISG-Test).

Selbst ein validierter Resilienz-Test allein bringt nicht viel. Entscheidend ist ein auf den Test abgestimmtes Interventionsprogramm. Dieses Programm besteht aus einer Reihe von Maßnahmen, die nachweislich dazu geeignet sind, die Resilienz zu steigern. „Nachweislich“ heißt, dass auch die Interventionen validiert sein müssen. Der wichtigste Grund dafür ist die Tatsache, dass der größte Teil der Wirkung auf die persönliche Beziehung zwischen Coach und Coachee zurückzuführen ist. Dieses Phänomen haben wir am Beispiel der Studien der Harvard und Ashridge University skizziert (siehe den Beitrag Wirksamkeit von Coaching).

Für die Diagnose („Messung“) der Resilienz gibt es verschiedene Tests. Dabei kann die „Connor-Davidson Resilience Scale“ die besten Gütekriterien (Objektivität, Validität und Reliabilität) nachweisen. Leider ist dieses Resilienz-Inventar nicht ohne weiteres auf gesunde Erwachsene (Fach- und Führungskräfte) außerhalb des klinischen Bereichs in der deutschen Kultur übertragbar. Das gleiche gilt für das Interventionsprogramm der Pennsylvania State University, das in unabhängigen Studien überzeugende Gütekriterien nachweisen konnte. Es trägt den Namen „PENN RESILIENCE PROGRAM“.

Für unsere Kultur existiert ein solches Programm (mit Diagnose und Intervention) nicht, obwohl es dringend notwendig ist, weil Resilienz einen gravierenden Einfluss auf die Produktivität (in Unternehmen) hat. Das dürfte die Abbildung 1 verdeutlichen. Dabei haben wir den Stad der Forschung zur Bedeutung der Resilienz ausgewertet. Als vorläufige Lösung haben wir an unserem Institut einen neuen Resilienz-Test entwickelt. Er beruht auf ähnlichen Resilienzfaktoren (Skalen) wie die Connor-Davidson-Resilience Scale und dem Penn Resilience Program. Dazu haben wir eine Synthese aus rund 70 Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmalen erstellt, die sehr gute Gütekriterien aufweisen (siehe dazu die Seite www.managementkompetenzen.de)

Link zum Resilienz-test (Gießener Inventar der Resilienz)

Diesen neuen Resilienz Test nennen wir das „Gießener Inventar der Resilienz“ (Link zum Test).
Eine Übersicht über die Struktur (die Synthese) gibt die nachfolgende Abbildung.Eine wissenschaftliche Publikation folgt demnächst.

Resilienz-Test: Das Gießener Inventar der Resilienz Abbildung 2: Resilienz-Test: Das Gießener Inventar der Resilienz

Resilienz und Selbstwirksamkeit: Folien zum Vortrag

Die Folien zum Vortag für den Industrie Arbeitgeberverband am 20.11.2017 finden Sie unter dem folgenden Link:

Resilienz und Selbstwirksamkeit